Am 25. Februar 2020 wurden die ersten beiden COVID-19-Fälle in Innsbruck registriert. Damit hatte die Pandemie auch Österreich erreicht. Von Beginn an war das Rote Kreuz Innsbruck (RKI) an der Bewältigung dieser Ausnahmesituation beteiligt. Die zu diesem Zeitpunkt noch ungewohnten Bilder, als unsere Mannschaft in voller Schutzausrüstung die beiden PatientInnen an die Klinik Innsbruck übergab, waren in ganz Österreich präsent.

„Mit den ersten zwei bestätigten Fällen war noch nicht klar, welche Dimensionen dieser Krankheitsausbruch erreichen wird. Doch als Rotes Kreuz Innsbruck sind wir es gewohnt, schnell auf außergewöhnliche Situationen zu reagieren“, so Bezirksrettungskommandant Christian Schneider. „Deshalb wurde auch umgehend der Einsatzstab hochgefahren, Notfallpläne für Personalausfall wurden erstellt, Hygienekonzepte erarbeitet und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter trotz der zu Beginn noch unklaren Informationslage so gut es ging auf die kommenden Herausforderungen vorbereitet.“

Bestmöglicher Schutz unter erschwerten Bedingungen

Abläufe im Rettungsdienst und dem Krankentransport mussten rasch adaptiert werden, um Personal, aber auch PatientInnen bestmöglich zu schützen – und das bei einer anfangs prekären Versorgungslage was Masken, Einweghandschuhe oder Desinfektionsmittel betraf. „Die enorme internationale Nachfrage nach Schutzmaterial hatte dazu geführt, dass unsere Lagerbestände schnell geschrumpft waren und wir improvisieren mussten. Seit Sommer hat sich diese Situation zum Glück jedoch wieder entspannt“, erklärt Isabella Eberl, die als Stabsoffizierin im Bereich Logistik tätig ist.

Wenige Kurse und Ambulanzdienste, dafür zigtausende Abstriche

In anderen Bereichen hatte die Pandemie ebenso große Auswirkungen: Die MitarbeiterInnen der Rotkreuz-Wache am Innsbrucker Flughafen hatten von einem Tag auf den anderen kaum noch Einsätze, da der Flugverkehr praktisch zum Erliegen gekommen war. Keine Großveranstaltungen mussten mehr medizinisch betreut werden und das Ausbildungszentrum hat einen Großteil seines Kursangebotes zwischenzeitlich ausgesetzt. Stattdessen kamen jedoch neue Aufgabengebiete hinzu: „So betreuen wir die PCR- und die Antigenteststraße in der Olympiaworld Innsbruck und stellen mehrere mobile Screeningteams. Zudem unterstützen wir das Land Tirol bei der Coronahotline und die Stadt Innsbruck beim Betrieb der Impfstraße“, zählt Schneider neuen Einsatzbereiche des Roten Kreuzes Innsbruck auf. Dass das personell machbar ist, verdankt das RKI seinen universell einsetzbaren MitarbeiterInnen und den engagierten Ehrenamtlichen.

„Die mit dem Wattestäbchen“

Das Screening wurde in den vergangenen Monaten zu einer zentralen Aufgabe des Roten Kreuzes Innsbruck. Gemeinsam mit befreundeten Hilfsorganisationen betreibt es das größte Screeningangebot Tirols. Das RKI wurde somit zum „Gesicht“ des Testens in der Landeshauptstadt: „Oft werden wir als ‚die mit den Wattestäbchen‘ bezeichnet“, so Peter Mähr, der als Führungskraft für die PCR-Teststraße in der Innsbrucker Olympiaworld zuständig ist. Rund 80.000 Rachenabstriche wurden seit Beginn der Pandemie genommen. Den stärksten Tag in der PCR-Teststraße hatten Mähr und seine KollegInnen im November 2020 am Höhepunkt der zweiten Welle zu verzeichnen. 938 PCR-Abstriche mussten hier durchgeführt werden. Neben dieser stationären Screeningeinrichtung sind täglich mehrere Teams mobil für Tests unterwegs und haben seit Beginn der Pandemie bereits knapp 25.000 Abstriche durchgeführt.

Mit der Einführung der Antigentests und zuletzt der „Eintrittstests“ für gewisse Dienstleistungen und den Skisport wurde auch das Testangebot in der Landeshauptstadt massiv ausgebaut. Vor Weihnachten nahmen alleine an einem Tag fast 6.500 Menschen das Testangebot an – bisher wurden in der Olympiahalle in Innsbruck schon über 100.000 Antigenabstriche durchgeführt.
Mit in Summe also weit über 200.000 Wattestäbchen konnte die für die getesteten Personen so drängende Frage nach dem Vorliegen einer COVID-19-Infektion beantwortet werden.

Tausende Telefonate, Aufrechterhaltung des Sozialangebotes

Um ganz andere Fragen mussten sich unsere MitarbeiterInnen bei der Betreuung der Informationshotline des Landes Tirol am Abend und am Wochenende kümmern. Über 25.000 Telefonate wurden bis dato angenommen und bearbeitet.

Trotz der neuen Herausforderungen mussten auch Lösungen für die Sozialdienstleistungen des Roten Kreuzes Innsbruck gefunden werden. Die strengen Hygieneschutzmaßnahmen erforderten Anpassungen für Angebote wie die Team Österreich Tafel, den Besuchsdienst, die Notschlafstelle für Obdachlose oder die Altkleiderausgabe. Mit nur wenigen Einschränkungen konnten diese Services aufrechterhalten werden.

Zählbare Stunden, unbezahlbare Arbeit

Die Mitglieder einer der ältesten und größten Hilfsorganisation Innsbrucks leisten in all diesen Bereichen seit dem 25. Februar 2020 einen essentiellen Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie. Aktuell sind rund 310 RotkreuzlerInnen im „Corona-Einsatz“ aktiv. Zählt man die geleisteten Dienste zusammen, kommt man gesamt auf rund 42.000 Stunden, wobei derzeit rund 300 Stunden pro Tag geleistet werden.

„Eine solche Mammutaufgabe über einen so langen Zeitraum zu bewältigen gelingt nur, weil alle an einem Strang ziehen: Ehrenamtliche wie Hauptamtliche, Zivildiener wie Absolventinnen und Absolventen des Freiwilligen Sozialjahres. Zudem ist auch eine klar definierte Führungsstruktur und ein ausgezeichnetes Personalmanagement notwendig“, zeigt sich Bezirksrettungskommandant Christian Schneider stolz auf seine Mannschaft.

Facts auf einen Blick:

  • bislang rund 200.000 PCR- und Antigen-Abstriche durchgeführt
  • 25.000 Anrufe bei der Coronahotline des Landes Tirol durch RKI-MitarbeiterInnen betreut
  • rund 310 Innsbrucker RotkreuzlerInnen im “Corona-Einsatz”
  • ca. 42.000 Gesamtstunden geleistet; aktuell 300 Stunden pro Tag
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