Eine Erinnerung an Solferino

"Jedermann hat von der Schlacht bei Solferino gehört, oder irgendeinen Bericht über sie gelesen. Eine so ergreifende Erinnerung verlöscht nicht so leicht, um so mehr, als die Folgen dieses Tages noch heute in verschiedenen europäischen Staaten zu spüren sind" (Seite 9). In diesem Buch beschreibt Öffnet internen Link im aktuellen FensterHenry Dunant alles, was in der Schlacht bei Solferino geschehen ist, welche er zufällig beobachtete.

Gerade deshalb, weil er dies sehr fürchterlich empfand, veröffentlichte er für all jene, welche diese Schlacht nicht miterlebten das Buch "Eine Erinnerung an Solferino", welches seine Gedanken zum Krieg zum Ausdruck brachte. "Durch ein Zusammentreffen besonderer Umstände hatte ich, als einfacher Tourist und diesem großen Kampf völlig fernstehend, die einmalige Gelegenheit, den erschütternden Szenen beiwohnen zu können, die ich hier aufzeichnen will. Ich werde auf diesen Seiten nur meine persönlichen Eindrücke wiedergeben. Man darf hier weder genaue Einzelheiten noch strategische Aufschlüsse erwarten; die muss man in anderen Büchern suchen" (Seite 9).

Er stellt in seinem Buch einfache Fragen, wie zum Beispiel: "Wie viele von ihnen hat man gezwungen, schon im Alter von zwanzig Jahren Menschen zu töten?" (Seite 20), und weist damit auf die moralischen Bedenken eines Krieges hin.

Vieles wurde sinnlos zerstört: die Dörfer, die Landschaft und vor allem die Menschenwürde!

Es gab kein Essen und auch das Wasser wurde immer knapper, die Verzweiflung wurde größer und die Menschen verfielen in eine hoffnungslose Lage! Die Geduld der Verwundeten war am Ende!

Henry Dunant kam schon damals zu der Frage, so wie viele große Denker vor ihm: "Warum müssen Menschen sich töten? Warum ist der Hass so groß?" Er beschreibt in seinem Buch sehr viele Einzelschicksale von Verwundeten, beschreibt deren Leiden, deren letzte Worte und Wünsche, beschreibt deren Hoffnungen oder den Verlust dieser und beschreibt, wie sie starben.

Ausschlaggebend für die weitere Entwicklung des heutigen Roten Kreuzes waren seine Vorschläge, die er mit seinem Buch der Bevölkerung mitteilte: "So braucht man freiwillige Wärter und Wärterinnen, die im voraus ausgebildet, geschickt und mit ihrer Aufgabe vertraut sind, die außerdem von den Armeeführern anerkannt und daher in jeder Weise unterstützt werden. Das Personal der Feldlazarette reicht niemals aus; selbst wenn es doppelt oder dreimal so stark wäre, könnte dies doch nicht genügen, und so wird es auch immer bleiben. Daher ist es unvermeidlich, dass man auf die Hilfe der Bevölkerung zurückgreifen muss, man ist hierzu gezwungen, und man wird immer hierzu gezwungen sein, denn nur durch Zusammenarbeit mit der Bevölkerung wird man das Ziel erreichen, um das es sich hier handelt" (Seite 87).

 

 

Zitate aus "Eine Erinnerung an Solferino"; Neuauflage 1997, nach einer Originalausgabe von 1863, ÖRK.



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